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Kammermusik

 

 

„Es ist immer eine außermusikalische Anregung, die sehr, sehr stark in mir wirkt, stärker wirkt als die nur musikbezogene Empfindungsart“, beschreibt Walter Steffens einen wesentlichen Impuls seines kompositorischen Schaffens. Die Faszination, die Literatur, insbesondere die zeitgenössische Lyrik, auf ihn ausübt, und die große Liebe zur Bildenden Kunst spiegeln auch die Stücke wider, die er für unterschiedliche kammermusikalische Besetzungen sowie für Soloinstrumente schrieb. Das breite Spektrum dieser Werke reicht – um beispielhaft nur einige wenige zu nennen – von „La femme-fleur“ (op.11) für Flöte und Klavier, „Plui de feu“ (op. 22) für Klavier solo, „Lumière rouge en cage“ (op. 28) für Flöte, Fagott und Cembalo, den „Spielstrategien“ (op. 37), Meditationen nach Fotografiken von Karl Martin Holzhäuser und Gottfried Jäger, über „Das Hohelied“ (op. 66) für Violine und Kontrabass bis zu dem Zyklus „Erzählende Stille“ (op. 82) für Flöte solo.

Zu „La femme-fleur“ nach Picasso schreibt Steffens: „Die Komposition entstand während der anstrengenden Arbeit an meiner ersten Oper ,Eli‘ und wirkte sich physisch und psychisch wie eine Erholung aus. Ausgehend von einem naturalistischen weiblichen Akt hat Picasso seine Bildreihe bis hin zur weiblichen Sonnenblume abstrahiert. Ich abstrahierte einen melodischen Einfall mittels serieller Technik und kehrte über frei komponierte Linien zum ursprünglichen Einfall zurück.“

Eine Feuergraphik von Bernard Aubertin gab die Anregung zu dem Stück „Plui de feu“. Das Bild „Feuerregen“ besteht aus 27 seriell geordneten Großstreichhölzern, die gezündet wurden, sodass eine gelenkte, aber in ihrer letzten Auswirkung doch „aleatorisch“ bestimmte Graphik entstand. Steffens: „In der Nachgestaltung ,hängte‘ ich an 24 Streichholzenden eine eigene Spezialreihe mit generell terzlosen Viertonfolgen und ihren Spiegelformen in rhythmischer Serie. Aus den jeweils benachbarten Tönen ergeben sich zahlreiche Klangkombinationen.“

„Lumière rouge en cage“ (Rotes Licht, gefangen) schrieb Steffens im Auftrag des „Trio Concertare“ (Paul Meisen, Klaus Thunemann, Hedwig Bilgram). Bildstrukturen von Hartmut Böhm, der vor allem in den 60er Jahren mit seriellen kinetischen Elementen arbeitete, werden hörbar. Bis auf eine kurze Improvisation über den Gesamtbauplan greift die Komposition die Strukturen des Bildes auf.

Den „Spielstrategien“ liegen apparative Graphiken zugrunde, die den Verlauf des Würfelspiels „Selektion“ optisch darstellen, dessen Spielregeln in dem Buch „Das Spiel – Naturgesetze steuern den Zufall“ von Ruthild Winkler und dem Nobelpreisträger Manfred Eigen erläutert sind. Zitat: „Das Spiel ist ein Naturphänomen, das schon von Anbeginn den Lauf der Welt gelenkt hat: die Gestaltung der Materie, ihre Organisation zu lebenden Strukturen wie auch das soziale Verhalten der Menschen.“ Für die musikalische Interpretation bot sich aus Steffens‘ Sicht „die Nachzeichnung der Schöpfungsgeschichte und die zivilisationsbedingte, selbstverschuldete Rückentwicklung der Kreatürlichkeit bis hin zu apokalyptischen Visionen“ an. Der schöpferische Prozess bestand in der Erarbeitung von Systemen für die Zuordnung von Zeichen zu bestimmten Tönen oder Akkorden. Differenzierte Dynamik und dramaturgische Agogik unterstreichen die Absicht, „die sinnliche Wirkung des Selektionsprozesses musikalisch zu gestalten und zu erreichen: im ersten Teil vom Chaos zur Harmonie bei gleichbleibendem Metrum; im zweiten Teil von Chaos zur Harmonie und in der Transposition rückläufig zum gesteigerten Chaos bei gleichem Metrum, jedoch sich kontinuierlich veränderndem Tempo“. Die ursprüngliche Version sieht die Realisierung der klanglichen Strukturen durch Flöte, Blockflöte und Klavier vor. Nach dem Konzept der „Spielstrategien“ entstanden auch ein Solostück für Klavier, das Duo „Genesis" (op. 37 b) für Violine und Klavier und schließlich das Klavierkonzert "Hiroshima" (op.69).

„Als der Kontrabassist  Christoph Schmidt mich um ein Duo für Violine und Kontrabass bat, einigten wir uns schnell auf die Thematik“, äußert sich Steffens zur Entstehung des Stückes „Das Hohelied“ nach Bildern von Marc Chagall (siehe auch op. 67 und op. 84). „Bei der Komposition“, so Steffens weiter, „folgte ich Chagalls magischer Beschwörung des Bibeltextes, den er motivisch nutzt, neu zusammenstellt und in den fünf Bildern farbvariierend mit roter Dominanz gestaltet hat. Chagall malt in der Bildmitte des fünften Gemäldes eine Sonne, welche alle Farben des gesamten Zyklus aufweist, in der angedeuteten Form des Davidsterns. Ein frommer Jude, mit der Gebetskapsel geschmückt, bekennt sich zum Kostbarsten. Ich lasse hier das ,Höre, Israel!‘ choralartig-ekstatisch mit einfließen. Die Hauptmotive der biblischen Quelle, in der Auswahl von Marc Chagall, sind auch meine Inspirationsquellen für die Bildvertonung des Hohenliedes.“

Den Zyklus „Erzählende Stille“ schrieb Walter Steffens für die Flötistin Ele Grau. Er vertonte hier die Malereien aus dem 1889 entdeckten Grab des ägyptischen Hofbeamten Nacht (sein Name bedeutet „der Starke“), das in die 18. Dynastie datiert wird (um 1400 v. Chr.). In der von Steffens als „hörend nachempfundenes Bild“ charakterisierten Komposition zeichnet er die Linien- und Farbgebung der Malerei im musikalischen Ausdruck nach.

Copyright: Christine Longère

 

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