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Vokalmusik

 

 

Etliche der Chorwerke, die Walter Steffens in den vergangenen Jahren schuf, sind Ergebnisse der engen Zusammenarbeit mit den Vokalensembles „canta filia“ (Rheda-Wiedenbrück) und ColVoc (Detmold/Leipzig). Das von Barbara Grohmann geleitete Ensemble „canta filia“ besteht aus 9 bis 12 Solistinnen und beschäftigt sich hauptsächlich mit A-cappella-Literatur für ein reines Frauenensemble durch alle Jahrhunderte. Die zeitgenössische Musik ist als besonderer Schwerpunkt durch einige Kompositionen vertreten, die u. a. von Walter Steffens speziell für diese Formation geschrieben wurden.

Steffens lernte „canta filia“ 1993 bei einem Auftritt anlässlich der Wiedereröffnung des Diözesanmuseums Paderborn kennen. Zur Entstehung des „Stabat mater“ (op. 70), mit dem das Frauenensemble 1994 zwei Preise beim internationalen Chorwettbewerb in Riva del Garda gewann, führt der Komponist aus, dass die zwanzig Strophen in Doppelversen der bekannten Sequenz, die auf die Anfänge des Franziskanerordens zurückzuführen ist, auf ihn einen starken Sog ausgeübt habe: „Der farbige, ausdrucksstarke Text, die volkstümliche Frömmigkeit, die liturgische und konzertante Verwendbarkeit, die bildhafte Darstellung hörte ich sogleich in der Übertragung auf das Rhedaer Ensemble. Ich fasste die neunstimmige Komposition als eine besondere Herausforderung zum Palestrina-Jahr (400. Todestag) auf und ging auf alle klangkombinatorischen Möglichkeiten des Ensembles ein.“  

Das „Stabat mater“ wurde zum Teil von der Kreuzigungsgruppe auf dem Friedhof von St. Vit in Westfalen, besonders stark von einer ligurischen Gestaltung (Dolcedo/Imperia, Chiesa di S. Tommaso Apostolo, Crocifisso/ scultura in legno del 1600) angeregt.

„Natürlich wollte ich für diesen Chor auch ein ,weltliches‘ Werk schreiben“, hebt Steffens hervor und führt weiter aus: „Das Thema ergab sich, als Frau Grohmann und ich über die Dichtungen der Else Lasker-Schüler ins Schwärmen gerieten. Von den zirka 300 Gedichten suchte ich die vier aus, welche – wie ich meinte – die allergroßartigsten seien. So entstand der Zyklus ,Klagegestein‘ für neunstimmigen Frauenchor und Harfe, der – wie immer bei mir – nur die Interpretation des Gedichtes in der Eigenart meiner Stilistik zum Ziel hat. Die seelischen Vorgänge der sprachlichen Gestaltung versuche ich in der Entsprechung mit meinen musikalischen Mitteln sinnlich steigernd erlebbar zu machen. Da bei diesem hervorragenden Chor alle technischen Möglichkeiten abrufbar sind, konnte ich die Ausdrucksmöglichkeiten auch dieser Dichtung angemessen, bis zu neunstimmigen Akkordflächen, realisieren.“

Der Titel „Klagegestein“ (op. 68) ist dem Gedicht „Mein Volk“ entnommen, in dem es heißt: „Fernab, allein über Klagegestein dem Meer zu“.

Anlass für die Entstehung des ColVoc um den Konzertsänger und Musikdozenten Hans Hermann Jansen, der sich besonders für das Musikleben an der Abteikirche Marienmünster einsetzt, waren zahlreiche Anfragen zur Ausführung der Vokalpolyphonie des 16. Jahrhunderts, vornehmlich im Monteverdi-Gedenkjahr. Die Besonderheit des Ensembles liegt in der Orientierung am Klang der Männerstimmen, wie sie z. B. in der päpstlichen Kapelle in Rom oder  in München zur Zeit Orlando di Lassos gepflegt wurde. Dieses Klangideal konnte das ColVoc mit den seltenen Fähigkeiten des bis in die Sopranlage klingenden Kontratenors Yves M. Kiffner und dem Altus Martin Christian Vogel verwirklichen.

An die Klangkultur der Renaissance knüpft Steffens mit dem jüngsten für ColVoc komponierten Chorsatz „Justus ut palma florebit“ (op. 85) an. Er bezieht sich auf eine für Hochfeste bestimmte, gregorianische Antiphon zum Itroitus, in der es heißt: „Der Gerechte wird blühen wie eine Palme, wie eine Palme auf dem Libanon.“ Neben dem Wechsel zwischen polyphonen und homophonen Abschnitten und dem Stilmittel der Imitation bestimmt die aufblühende Melodik den Charakter des Stückes.

Lieder schrieb Steffens u. a. auf Dichtung von Ingeborg Bachmann, Bertolt Brecht, Clemens Brentano, Annette von Droste-Hülshoff, Peter Hille, Ezra Pound, Rainer Maria Rilke, Nelly Sachs.

Copyright: Christine Longère

 

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